Lübecker Marzipan
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Marzipan, die Nachspeise an fürstlichen Tafeln

Für den Verzehr von Marzipan im 14. Jahrhundert gibt es in Italien eine Anzahl Belege. Die Kostbarkeit dieser Speise zeigte sich darin, daß Karl IV. bei seinem Einzug in Siena 1368 vergoldete Marzipanbrote erhielt. Wahrscheinlich sind auch schon im 15. Jahrhundert in Deutschland Marzipane auf die Tische gekommen, wenn auch wir erst aus dem Jahre 1509 eine genaue Nachricht haben. Von da an erfolgen so zahlreiche Erwähnungen, daß Marzipan stets zum Nachtisch bei fürstlichen Festsessen anzunehmen ist. Auf dem Reichstag zu Speyer 1526 z. B. gab es "eingemachte Birnen in Zucker, ein Martzepan von Zucker, Mandeln und Rosenwasser, darum ein Zaun von Zucker gemacht und auf dem Martzepan meines gnädigsten Herrn Wappen fürgoldet". Der höfische Mundkoch stellte in dieser Zeit die Marzipane noch nicht selber her, er bezog sie aus der Apotheke.

Das Kraftbrot Marzipan als Heilmittel

Die Verarbeitung von Gewürzen gehörte zu den Aufgaben der Apotheker. Sie stellten die "Confectiones" her, bei denen der Zucker zunächst die Aufgabe hatte, die bitteren Pillen genießbar zu machen. Bald aber überwog die Gaumenfreude, wie schon der Straßburger Arzt Gualtherius Ryff in seinem "Confectbuch und Hausapoteck" im Hinblick auf das Marzipan schrieb: "Doch zu dieser Zeit mehr zur Lust in Panketten, dann von den Kranken gebraucht" Das Marzipan oder Kraftbrot zunächst seine Laufbahn als Heilmittel begonnen hatte, zeigen die immer wieder in den Rezeptbüchern verzeichneten Hinweise auf den "Hertzzucker oder Marcepan vor Kranke" bis weit ins 18 Jahrhundert hinein. Zerstoßene Edelsteine und Perlen, aber auch Zusätze von Thymian oder anderen Heilkräutern sollten bei den einzelnen Krankheiten helfen.